Rosa Ribas

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Geboren wurde ich in El Prat de Llobregat , einer Industriestadt südwestlich Barcelonas, die wohl hauptsächlich dadurch bekannt ist, dass der Flughafen Barcelona sich auf ihrem Gebiet befindet.
Dessen Nähe, der Lärm des Eisenbahnverkehrs, vom dem wir nur einen Steinwurf weit entfernt wohnten und der einer Papierfabrik und dazu noch deren alles überdeckender Geruch: das alles hat in mir nicht die Sehnsucht nach Landleben mit Stille und guter Luft erweckt – im Gegenteil – ich bin süchtig nach dem Stadtleben. Ich brauche ein gewisses Grundrauschen, ohne das ich mich nicht konzentrieren kann. Deshalb setze ich mich zum Schreiben gerne in Cafés – was aber nicht heißt, dass ich die Atmosphäre einer Bibliothek nicht zu schätzen wüsste.

Der Experimentierlust meiner Eltern verdanke ich häufige Schulwechsel. Eine kleine Dorfschule besuchte ich ebenso wie eine alternativ-antiautoritäre und, allderdings nur für kurze Zeit, eine streng katholische Mädchenschule; dort mussten wir Schuluniformen tragen.
Wenn meine Erziehung wohl auch ein wenig chaotisch war, so habe ich durch die häufigen Schulwechsel gelernt, mich schnell auf neue Situationen einzustellen und immer wieder neue und dauerhafte Freundschaften zu schließen.

Während meines Studiums der spanischen Philologie an der Universität von Barcelona, verdiente ich mir etwas Geld als Basketball-Aushilfsschiedsrichterin, und das, obwohl ich nur einen Meter und sechzig groß bin und alles andere als gute Augen habe. Danach arbeitete ich als Lehrerin, unterrichtete unter anderem Altgriechisch – ohne viel Ahnung davon zu haben (und das ist noch immer so).
Von den anderen Dingen verstand ich dagegen sehr wohl einiges. Ich arbeitete als Sprachlehrerin, Lektorin, Kneteverpackerin, Briefschreiberin, Übersetzerin – nicht unbedingt in der genannten Reihenfolge.
Obwohl ich mich selbst nicht als besonders reiselustig bezeichnen würde, nahm ich Reisende zum Thema meiner Doktorarbeit, nämlich die deutschen Auswanderer die im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert nach Amerika gingen.
Schließlich habe ich nach vielen Jahren in Lehre und Forschung an der Universität beschlossen, mich davon zurückzuziehen und voll und ganz der Schriftstellerei zu widmen.

Genau ein Jahr vor Beginn der olympischen Spiele von Barcelona ging ich nach Deutschland. Ich hatte Lust in einem anderen Land zu leben und zu erfahren wie es ist, fremd in einem Land zu sein. Und es musste Deutschland sein. So sind die Wahlverwandtschaften.
Witzigerweise bin ich dabei ausgerechnet in einer Familie gelandet, deren große Leidenschaft das Goldene Zeitalter Spaniens ist und die seit mehr als fünfundzwanzig Jahren in der Edition Reichenberger ausgezeichnete Ausgaben und Essays veröffentlichen.

Mein erstes Jahr verbrachte ich in Berlin, später zog ich nach Frankfurt am Main, wo ich seitdem lebe.

Eigentlich, …tja eigentlich wollte ich nur für ein Jahr nach Deutschland gehen, doch inzwischen sind aus einem doch einige mehr geworden…
Heute lebe ich in Frankfurt am Main und es gefällt mir hier sehr gut. Das Besondere an Frankfurt ist, dass ein Drittel der Einwohner Ausländer sind, und es trotzdem eine sehr deutsche Stadt ist.

Nun, das Schreiben und Geschichtenerzählen hat mir schon seit langem Freude gemacht, doch mit Veröffentlichungen habe ich erst vor kurzem begonnen.
Mein erster Roman, El pintor de Flandes (Der flämischer Maler) , erschien im Jahr 2006; ein Jahr später auch als Taschenbuch.
Im Oktober des Jahres 2007 folgte der Kriminalroman Entre dos aguas. Er ist der Beginn einer Reihe mit der Hauptfigur Cornelia Weber-Tejedor. Sie ist Kriminalkommissarin in Frankfurt und dort – mit deutschem Vater und spanischer Mutter – zwischen zwei Kulturen aufgewachsen. Im August 2009 ist der Roman unter dem Titel Kalter Main auf Deutsch beim Suhrkamp-Verlag erschienen.

Der zweite Band der Reihe - Con anuncio - erschien im September 2009 im Verlag Viceversa.

Im Oktober 2010 veröffentlichte ich den Roman La detective miope – mit einer neuen Hauptperson, der Detektivin Irene Ricart. Es handelt sich dabei allerdings nicht um eine neue Reihe. Ihre Ermittlungen führen sie durch Barcelona und dessen Umgebung.

Der dritte Fall von Cornelia Weber-Tejedor heißt En caida libre, ebenfalls veröffentlicht bei Viceversa.  Vom Flughafen von El Prat zum Frankfurter Flughafen. Dem Anschein werde ich von Flughäfen verfolgt...

 


So, da Sie nun bis hierher durchgehalten haben, möchte ich Sie noch, als ein kleines Dankeschön, auf ein paar „Bonus-Texte“ einladen, die sich im obenstehenden Text unter den fett markierten Begriffen aufrufen lassen !

 

 

Übersetzung: Klaus Grommet

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Seite aktualisiert am: 14. Juli 2010